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Der Falsche

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Die Woche

Literatur & Buch, Nr. 40 / 30 September 1994

JENS JOHLER
Der Falsche

"Jens Johler erzählt leichthin, witzig, ironisch von jenen wilden Jahren in Berlin -
Ein älterer Herr blickt amüsiert zurück auf den Mitläufertrottel, der auch er selbst damals war"

Doch, das ist wirklich komisch zu lesen, wie wir Ende der 60er Jahre nach der Revolution und dem NEUEN MENSCHEN dürsteten. Wir finden uns wieder in Jens Johlers Liebesgeschichte von Antonia, obwohl wir Mädels damals im Grunde gerade mal den Abwasch in den WGs und die Abzüge der Flugblätter machen durften - Antonia darf selbst mitschreiben an der linken Zeitung "Schwarze Noten", wirklich eine Klassefrau. Deshalb ist Benjamin, der Ich-Erzähler, ja auch so verrückt nach ihr, deshalb plagt ihn diese blöde Eifersucht, die doch der NEUE MENSCH gar nicht mehr kennen darf, und er grinst tapfer, wenn sie mit anderen schmust, so tapfer, daß das Grinsen zur Maske wird, und "am liebsten hätte ich mir die ganze Maske vom Gesicht gerissen, aber das Gesicht war die Maske". Jens Johler erzählt leichthin, witzig, ironisch von jenen wilden Jahren in Berlin - ein älterer Herr blickt amüsiert zurück auf den Mitläufertrottel, der auch er selbst damals war, obwohl er wußte, daß er viel zu bürgerlich war, um noch der NEUE MENSCH zu werden. All die Schlagworte, die selbstgebastelten Weltverbesserungsideen, die dramatisch angekündigten Selbstmordversuche und die Angst, sie könnten rein aus Versehen glücken, die Mordpläne und die Angst, das Messer könnte das Jackenfutter zerschneiden - das ist ein kleiner nostalgischer Roman, der Spaß macht, der nicht viel ernst nimmt, manchmal vielleicht ein bißchen allzu geschwätzig plätschert und dem dann wieder herrliche Sätze wie diese gelingen: "Wegfahren? Wohin? Frauen aufreißen? Warum nicht? Ich zog mir meine Lederjacke an und ging aus dem Haus. Auf der Sonnenallee schaute ich mich nach Frauen um. Sie hatten alle etwas zu tun."

ELKE HEIDENREICH

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