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Leseprobe (Kapitel 1 "Eklund")

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Jens Johler > Romane > Gottes Gehirn > Rezensionen > Frankfurter Allgemeine Zeitung

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Mörderischer Wissensdurst: In "Gottes Gehirn" wird ermittelt

Von Irene Binal

26. Okt. 2001 Gehirntransplantationen, intelligente Maschinen, geklonte Lebewesen: In der nur scheinbar futuristischen Welt der Biotechnologie spielt der Roman "Gottes Gehirn" des Autorenduos Jens Johler und Olaf-Axel Burow. Als der Klimaforscher und Nobelpreisträger John Eklund ermordet und sein Gehirn entfernt wird, glaubt die Welt noch an ein „normales“ Verbrechen. Dann aber fällt auch der Zukunftsforscher Ralph G. Kranich einem Mord zum Opfer.

Kranichs Freund, der Wissenschaftsjournalist Richard Troller, beginnt gemeinsam mit seiner Kollegin Jane Anderson zu recherchieren und findet bald einen Ansatzpunkt: Eklund wie auch Kranich waren im Jahr 1995 Teilnehmer einer geheimnisvollen Konferenz, an der Wissenschaftler aus den verschiedensten Disziplinen teilnahmen, um ihr Wissen zum Wohle der Menschheit zu bündeln.

Spiegelbilder

Troller und Anderson fliegen nach Amerika, um die überlebenden Teilnehmer der Tagung zu besuchen - und für den Leser beginnt eine rasante Reise durch die moderne Wissenschaft, in der sich erfundene und real existierende Personen ein Stelldichein geben. Lennart Lansky etwa, jener Doyen der künstlichen Intelligenz, den die Journalisten aufsuchen, ist niemand anderer als der berühmte KI-Forscher Marvin Minsky. Erwähnt wird auch Robert White, der umstrittene Arzt, der Affenköpfe transplantiert und selbiges auch beim Menschen ausprobieren möchte. Und Jeff Adams, ein Computer-Millionär, der die Wissenskonferenz sponserte und in einer kleinen Nebenrolle auftaucht, ist natürlich niemand anderer als Bill Gates höchstpersönlich.

Schreiberische Defizite

Aber was hat all dies mit den Morden zu tun? Für Troller und Anderson wird nach und nach klar, dass einer der Forscher selbst hinter den Verbrechen stecken muss. Während sie tiefer und tiefer in die vielschichtige Welt der Biotechnologie eintauchen, mit Physikern, Genforschern und Esoterikern über die Grenzen des Bewusstseins und ethische Fragen diskutieren, verändert sich auch die Welt auf eine sonderbare Art. Die Uno erlässt den ärmsten Ländern der Welt ihre Schulden, Israelis und Palästinenser schließen einen Friedensvertrag, und eine kanadische Firma beschließt, ihre Entdeckung zur kostengünstigen Energiegewinnung der Allgemeinheit gratis zur Verfügung zu stellen. Auch Klänge verändern sich, die Wale singen in einer anderen Tonart und die Welt „schwingt in einer neuen Frequenz“, wie es der ehemalige Genforscher Behrman formuliert.

Es ist eine seltsame und faszinierende Mixtur aus Erfindung und Tatsache, die Johler & Burow servieren. Schade nur, dass gravierende stilistische Probleme dem Fluss der Erzählung immer wieder schaden. Denn während die Autoren sich bei den wissenschaftlichen Exkursen und Dialogen durchaus auf der Höhe ihrer schreiberischen Fähigkeiten zeigen, wirken andere Passagen wie einem amerikanischen Krimi zweifelhafter Herkunft entsprungen. Dass sich Troller zudem in seine Kollegin Anderson verliebt und diese seine Gefühle erwidert, ist eine inhaltliche Banalität, auf die das Buch gut und gern hätte verzichten können.

Spannung pur

Zum Glück ist die Handlung spannend genug, um den Leser solche Ausrutscher weitgehend verzeihen zu lassen. Und so folgt er den beiden Protagonisten gern durch den Dschungel der Biotechnologie, in dem transplantierte Gehirne, intelligente Maschinen und die Idee eines „Genieparks“, in dem die großen Geister der Menschheitsgeschichte virtuell wieder auferstehen und ihre Studien fortsetzen können, zum vorstellbaren Alltag gehören. Die philosophische Frage, ob die Welt nicht nur im Gehirn eines übergeordneten Wesens existiert, führt am Schluss zu einer fantastischen Lösung, die nur durch die schreiberischen Defizite der Autoren einiges an Wirksamkeit einbüßt.

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