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Leseprobe (Kapitel 1 "Eklund")

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Jens Johler > Romane > Gottes Gehirn > Rezensionen > Ultimo, Münster

Frankfurter Rundschau

Copyright: Ultimo 19/2001 Münster Stadtillustrierte vom 10.09.2001

Viren, Nazis und Gehirne
WISSENSCHAFT ALS THRILLER

Dass ausgerechnet zwei Deutsche einen guten Science-Thriller schreiben, ist überraschend. Jens Johler und Olaf-Axel Burow haben sich für Gottes Gehirn einen ziemlich einfachen Plot ausgedacht: zwei Journalisten reisen durch die USA und interviewen Wissenschaftler, die kurz danach ziemlich tot sind. Die Interviewserie wurde in Gang gesetzt, weil gleich zu Beginn ein Nobelpreisträger für Klimaforschung ohne Gehirn (und ja: ziemlich tot) aufgefunden wird. Und während die Journalisten - klar: Mann und Frau, und natürlich kriegen sie sich - dem Rätsel der Mordserie immer näher kommen, lernen wir eine Menge über Genetik, Klonen, Künstliche Intelligenz, das Hirn überhaupt und warum Johann Sebastian Bach nicht nur Pythagoras sondern auch die ganze Welt mit seinem Quinten-Trick in Ordnung gebracht hat. Das Schöne daran ist: alles, was wir in den Interviews zu hören kriegen, ist wahr, echt, Stand der Forschung, und es bleibt sogar Zeit für neckische Belehrungen, etwa dass man zu großen Ereignissen nicht "ein Quantensprung!" sagen soll, weil ein Quantensprung eher etwas Klitzekleines ist.

Die Götter der Zunft - von Howard Gardner bis Marvin Minsky, von Jerry Rifkin bis Weizenbaum - kommen alle vor, und irgendwann spielt sogar John McLaughlin im "Blue Note" ein irritierendes Solo, weil ihm die "Bach'sche Quinte" fehlt. Das Geniale an Gottes Gehirn ist nicht der Krimi-Plot (der ist eher absehbar), sondern das Nebeneinanderstellen der verschiedenen aktuellen Wissenschafts-Ansätze: Der KI-ler will Roboter bauen, der Genetiker Organbanken, der Biologe betont die Hormone, der Physiker die Schwingungen. Und alle reden aneinander vorbei und verachten einander.

Und wir lernen mit den beiden Hauptfiguren: Gnade uns Gott, wenn die sich eines Tages einig werden!

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